24.07.17

Was lange währt... - Nils Thönnes

Anfang des Jahres dachte ich, wenn ich der Rinne den Rücken kehre und an die großen, dünnbesetzten Baggerseen gehe, wird mein Jahr sicher um einiges erfolgreicher. Mein Gedanke war, dass wenn die Fische im späten Frühjahr und dann im Sommer einmal auf dem Futter sind, es richtig rappeln wird. Dicke Laichmuttis waren fest in meinen Gedanken verankert. Und die Taktik, mehrere Stellen mit wirklich wenig Futter konstant zu füttern erschien für mich ideal. Um die Träumerei aber gleich zu stoppen, muss ich zugeben, dass ich bis Ende Juni nicht einen einzigen Fisch fangen konnte. Insgesamt habe ich weit über 30 Nächte gebraucht, um einen einzigen Karpfen zu fangen. Der Fisch war schön und ich habe mich sicher einige Sekunden wie der König gefühlt, aber stellte mir, nachdem mein Adrenalinspiegel fiel, wiederum auch die Frage, ist es die Mühe wert das „Programm“ das ganze Jahr weiter durchzuziehen? Angeln ist meine Leidenschaft und mein Ausgleich zum Job. Wenn mich der Job frustet, fahre ich zum angeln und schalte ab. Wenn ich beim Angeln aber immer wieder auf die Schnauze falle, frustet mich das irgendwann auch. Die Konsequenz des Ganzen ist dann irgendwann, dass die Angelei eigentlich keinen Spaß mehr macht. Mein Glück in solchen Situationen ist dann aber definitiv, dass ich nicht aufgeben kann - ich muss dranbleiben!

Ich nahm den Fisch einfach als Hoffnungsschimmer und befischte den See weiterhin. Meine Hoffnung ging aber in den danach folgenden Nächten zu Grunde, weil ich wieder nichts fing. Ausreden gibt es dafür sicher viele, welche aber trifft bei mir zu? Das Wetter? Zu wenig Futter? Zu viel Futter? Schlecht geangelt? Ich glaubte langsam wirklich schlecht zu angeln und einfach alles falsch zu machen und sah den einzigen Fisch nicht mehr als Hoffnungsschimmer, sondern einfach nur als Glücksfisch an. Wenn man bedenkt, dass ich nun schon bei fast 40 Nächten war, konnte es wirklich nur ein Glücksfisch gewesen sein, der zufällig an meinen drei Boilies vorbei schwamm und den richtigen eingesaugt hatte.

Den hunderten Überstunden sei Dank, konnte ich immer wieder eine spontane Nacht unter der Woche machen. Ich glaube es war Nacht 41 oder 42. Abends nach dem Dienst packte ich zu Hause schnell meine sieben Sachen, fuhr zum See, packte alles ins Boot und steuerte Schnurstracks auf eine Stelle zu, die mir in der Vergangenheit tolle Fische bescherte und mir an diesem Tag zusagte. Das Bauchgefühl hat mich an dem Tag wohl geleitet. Als ich ankam wurden schnell drei kleine Marker gesetzt, gefüttert und dann ans Ufer gefahren, um den Krempel aufzubauen. Inzwischen war ich wirklich verdammt schnell mit allem, sowohl damit alles aufzubauen als auch damit, die Ruten in perfekter Manier abzulegen. Auf den unvorbereiteten Plätzen sollte es jeweils nur eine Hand Banoffee Boilies richten. Und weil ich dem ganzen immer noch so sehr vertraute: Longshank X in Größe 8 am Arm Kord gebunden! Neben meinem Bauchgefühl, das wirklich gut war, kam noch ein fettes Tiefdruck Gebiet mit Regen und Wind. Nach der langen Trockenheit sicher eine gute Sache!

Es geschah schon am Abend, wie aus dem nichts lief die erste Rute ab und ich konnte mit schlotterten Knien einen schönen zweifarbigen Schuppi landen. War der Fisch nun endlich die Wende? Die Nacht blieb ruhig, aber am Morgen lief die gleiche Rute wieder ab. Als der Fisch gehakt war stieg ich ins Boot und ließ mich über den See ziehen, nur sehr langsam konnte ich Schnur gewinnen. Die Fische waren scheinbar voll im Saft und hatten Kraft ohne Ende. Nichtsdestotrotz konnte ich den Fisch aber landen und war überglücklich. Nachdem der Fischt versorgt und fotografiert war, legte ich mich nochmal in den Schlafsack und holte etwas Schlaf nach. Vom heftigen Sturm und Platzregen wurde ich aber irgendwann geweckt und erschrak, weil ich vergessen hatte, das Boot abzudecken! Inzwischen stand die Batterie schon fast unter Wasser. Von den anderen Sachen mal ganz abgesehen, die inzwischen auch klatschnass waren. Ich hatte keine andere Wahl und musste das Boot schnell leer schöpfen und die Plane zumindest jetzt noch darüber legen. Als ich durchnässt wieder zurück im Zelt war, lief die Rute zum dritten mal ab! Warum nicht eher? Ich hatte schließlich gerade wieder die Jacke aus! Ich landete fast im Wasser, weil ich auf dem Weg zur Rute ausrutschte. Zum Glück konnte ich mich aber gerade noch fangen und stand nun für zehn Sekunden mit gekrümmter Rute im Regen und verlor dann den Fisch - Shit! Perplex kurbelte ich die Heli-Safe Montage ein und wunderte mich bereits, weil das Blei noch dran hing. Normalerweise löst das Blei sofort aus, sobald Druck auf die Feder des Mechanismus kommt. Der Fisch hat sich offensichtlich nicht richtig gehakt!

An meinem Vertrauen zu dem Vorfach ändert es aber nichts, denn das war in drei Jahren der erste Fisch, den ich verloren habe. Mit den zwei Fischen war ich dennoch sehr zufrieden und hatte nun endlich neuen Mut und neue Kraft gesammelt, um es weiter zu probieren und meiner Linie treu zu bleiben.

Fortsetzung folgt…..

Bann gebrochen?

Von so einem kann ich zehren!

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