17.05.16

Wer rastet der rostet - Florian Woldt

Ich sitze vor dem Computer und lasse die letzte Session nochmals Revue passieren. Es lief doch wirklich gut für mich und ich konnte einige tolle Fische ins Fangbuch eintragen. Trotzdem waren sie wieder da: Gedanken, die mich schon eine ganze Weile beschäftigen. Meine zwei bis drei Hausgewässer kenne ich mittlerweile sehr gut und auch deren Bewohner sind mir größtenteils bekannt. Ich kenne die besten Plätze, ihre Zugrouten und auch ihr Fressverhalten. Oftmals ertappe ich mich selbst dabei, wie ich fast blind mit dem Boot die üblichen Spots anfahre und mit einem sicheren Gefühl die Montage ablege. Bisse lassen meist nicht lange auf sich warten. Aber soll es das auf Dauer wirklich schon gewesen sein, frage ich mich? Etwas komplett neues musste her und ich beschließe meinen Gewässer-Radius etwas zu vergrößern um nach neuen, mir unbekannten Seen Ausschau zu halten. In Brandenburg mangelt es uns wirklich nicht an Wasser und ein neues Ziel ist schnell gefunden. Mein Jagtinstinkt ist wieder geweckt und die nächste Session schnell geplant. Ein paar Tage später belade ich meinen Carp Porter mit dem nötigsten an Tackle und starte den rund 2 Kilometer langen Marsch quer durch den urigen Wald. Nach gut fünf Minuten absolut schweißtreibender Schlepperei höre ich meinen inneren Schweinehund fluchen: Warum bin ich nicht einfach wieder an meinen mir doch so gut bekannten See gefahren und erspare mir diese ganze Arbeit einfach?

Wenige Sekunden später sind diese Gedanken wieder vergessen und der Tatendrang doch deutlich größer als die Faulheit. Etwas später komme ich an einem wunderschön gelegenen Waldsee an und lasse diesen tollen Moment erst einmal auf mich wirken. Ich verspüre eine Energie, wie ich sie schon lange nicht mehr wahr genommen habe und meine Abenteuerlust war endlich wieder geweckt. Platztechnisch entschied ich mich für eine Bucht im hinteren Seeteil, in die der recht milde Westwind kräftig blies. Da ich relativ zeitig am See ankam, setzte ich mich erst mal ans Wasser und suchte die vor mir liegende Wasseroberfläche nach Fischbewegungen ab. Ein Fisch der Satzergröße zeigte sich nach einer Weile in meinem Gewässerteil und ich war relativ zuversichtlich in der kommenden Nacht erfolgreich zu sein. Über den Bestand hatte ich nur grobe Informationen, jedoch wusste ich von einem Fisch, der gewichtsmäßig alle anderen Bewohner des Sees weit hinter sich lässt. Hochmotiviert verteilte ich am späten Abend meine Ruten.

Wafter an Kamo-Rigs

Ja, da ist was dickes in der Sling!

Über meine Rigs und mein Futter brauche ich mir schon lange keine Gedanken mehr zu machen. Ein 6 er Widegape X am Korda Kamo in 30 lbs, bestückt mit einem CC Moore Live System Wafter haben auch hier mein vollstes Vertrauen. Jedoch war mein gutes Gefühl von vorhin schnell wieder verflogen, denn ich fand weder interessante Kanten, noch sonderlich festen Untergrund. Überall schlammiger, mit altem Sediment bedeckter Boden. Gegen 20 Uhr lagen meine Ruten mehr oder weniger zufriedenstellend. Am nächsten Morgen kescherte ich meinen dritten Fisch der Session: Einen kleinen wild beschuppten Spiegler. Immerhin deutlich größer, als die 2 Satzer aus der vergangenen Nacht. Es lief doch viel besser als erhofft und ich freute mich selbst über diese doch sehr kleinen Karpfen. Das Frühstück am See sollte dieses mal ausfallen, um rechtzeitig bei meiner Freundin Zuhause zu sein und mit ihr gemeinsam in den Tag zu starten. Dazu kam es jedoch nicht. Kurz vorm Einpacken meldete sich einer meiner Delkims und ein heftiger Drill begann. Im Kescher landete ein Brett von Spiegler. Direkt in der ersten Nacht am neuen Gewässer, konnte ich meinen Personal Best um einiges steigern! Das Jeni zum fotografieren kommen sollte, war für sie selbstverständlich. Als kurz vor ihrer Ankunft noch ein wunderschöner Zeiler den Weg auf meine Matte fand, verstand ich die Welt nicht mehr. Beim Wiegen des großen Spieglers blieb der Zeiger der Reuben Heaton bei etwas über 24 Kilogramm stehen. Ich war absolut „over the Moon“, wie die Engländer so gern sagen. Der weite Weg zurück durch den Wald kam mir am Ende gar nicht mehr so steil und weit vor und innerlich lachte ich ihn aus, meinen inneren Schweinehund. Ich habe ihn besiegt und wurde am Ende sogar dafür belohnt. In diesem Sinne: Auch wenn es oftmals schwer fällt, die vielleicht sichere Nummer sausen zu lassen, wird es einem sicher zu Gute kommen, auch wenn es nur neu gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse sind.
Denn Stillstand heißt Rückschritt.
Grüße Flo

Was geht hier ab!

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