03.10.18

Zielfischjäger - Christoph Freuen

Ich war am Boden zerstört und konnte mich selbst über große Fische nicht mehr freuen. Ich wollte NUR den Einen. Den Einen, der mir von den großen Fischen des Gewässers noch fehlte. Den Fisch um den sich alles in meinem Kopf drehte. Doch es gelang mir nicht Ihn zu fangen. Ich kratzte mit meiner Angelei knapp am Burnout vorbei. Rechtzeitig zog ich für mich einen Schlussstrich und verließ das Gewässer. Mein Kopf sollte frei werden und ich musste Abstand zu der ganzen Sache mit diesem Fisch gewinnen.

Das ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her.
In der Zwischenzeit erlebte ich eine absolut wahnsinnige Angelsaison. Motivation pur und das nur dank eines freien Kopfs!
 

Das Frühjahr 2018 nahm seinen Lauf und ja, es zog mich zurück. Zurück in die Heimat meines „Most Wanted“. Durch das verdammt dicke Egopolster aus dem Herbst konnte nichts mehr schief gehen. Reine Kopfsache. Es war Ende April als ich den ersten Fisch über den Kescher ziehen konnte. Freaky aber der Fisch, der sich da gerade im Netz befand, war tatsächlich auch der Fisch, der mich letztes Jahr den Spaß und die Motivation kostete. Mir war es jetzt egal. Mein Kumpel kam mit Kuchen zum Fototermin und wir feierten den ordentlichen „Neuanfang“. Ich hatte mich für anderes Futter entschieden, welches mir Unmengen an Beifang in Form von Brassen und Graskarpfen bescherte. Teilweise durfte ich vierzehn Brassen in einer Nacht abhaken.
In der 5ten Nacht auf dem Platz bekam ich einen rasanten Biss und ich wusste sofort, dass ER es war. Er machte Druck, stürmte raus ins Freiwasser und änderte rasant die Richtung. Er schwamm nach rechts, parallel zum Ufer und ich wusste das dort ein Baum im Wasser lag. Ich musste den Druck erhöhen und es kam was kommen musste.... Ausgeschlitzt! Ich wusste ich hatte IHN verloren. Ein Jahr zuvor hätte ich mir an dieser Stelle einen Strick genommen.... Aber, die Taktik stimmte und ich wusste das er innerhalb kurzer Zeit schon zweimal gefangen wurde. Also aufstehen, Blick nach vorne richten und weiter machen. Zwei Tage später bekam ich gegen Mittag einen Anruf. Ein Kumpel war am anderen Ende der Leitung und teilte mir eiskalt mit, er hätte IHN gerade gefangen. Mit frischem Schlitzer im Maul! Baff! Ich war mir eben sicher, dass ich IHN verloren hatte. War damit jetzt die zweite Chance vergeben?
Für mich und meinen Kumpel Stefan stand nun ein Frankreichurlaub an und an meinem Zielfischwasser die Laichzeit. Perfektes Timing. Für eineinhalb Wochen setzte ich also mit dem Füttern aus. Sofort nachdem ich wieder zuhause war, wurde der Futterplatz wieder aktiviert. Es folgten erneut Brassen, Graser und hin und wieder ein normaler Karpfen. Es lief nach Plan. Vier Jahre hatte ich alle gefangen, nur nicht IHN. Jetzt fing ich relativ wenig und hatte IHN zumindest schon haken können. Selbst während des Drehs der Korda Masterclass stand ich mitten in der Nacht auf und fuhr 160km durch die Lande um meinen Futterplatz zu versorgen. Es war mir die Mühe wert und ich wusste es würde sich bezahlt machen.
Ich hatte in dieser Saison dort erst 10 Karpfen gefangen. Alles alte Bekannte und nichts im Gegensatz zu dem was ich in den Vorjahren zu diesem Zeitpunkt schon gefangen hatte, aber es fühlte sich richtig an. Ich war, zumindest vom Gefühl her, auf einem guten Weg.

An einem Abend kam mich ein guter Freund besuchen. Er fängt nach 5 Jahren Angelpause wieder an zu angeln und wir unterhielten uns über das ganze Drumherum der Angelszene, über frühere gemeinsame Touren, Gott und die Welt. Mittendrin wurden wir von einem Anbiss unterbrochen. Zu einer völlig untypischen Uhrzeit. Nach kurzem Drill lag ein weiterer alter Bekannter im Kescher. Etwas stinkig, da der Fisch die Schnüre der anderen beiden Ruten eingesammelt hatte, kurbelte ich diese ein, kontrollierte die Haken und warf sie wieder auf ihre Plätze. Es war schon spät als mein Besuch sich verabschiedete und ich in den Schlafsack kroch. Komisch, keine Brassen bisher. Normalerweise kamen sie mit der Dunkelheit und blieben bis zum Morgengrauen. Im Morgengrauen kam dafür der nächste Biss. Als ich die Rute aufnahm und der Fisch unbeeindruckt rausstürmte, wusste ich wieder, dass ER es war. Meine zweite Chance. Ich hatte vorgesorgt und aufgrund seines verwachsenen, wulstigen Maules auf große Haken, ja richtige Anker umgestellt. Der Kurvshank XX in Größe 2 sollte es richten. Schlitzen würde er damit jedenfalls nicht. Der Fisch blieb näher als gedacht und der Drill spielte sich in einem Radius von achtzig Metern ab. Er kam dort draußen an die Oberfläche, schlug wie wild und ließ auf dem Weg zum Ufer kein Krautfeld aus. Mehrmals hing er darin fest aber wie gesagt, ich hatte auf stabiles Material gesetzt und Zeit hatte ich auch. Nach fünfundzwanzig Minuten echt hartem Kampf hob ich meinen Kescher an und die Schwanzflosse glitt über die Kescherkordel. Er war mein, mein ganz allein, mein „Most Wanted“, der blaue Marlin!
Ich hatte einmal mehr viel Einsatz gebracht aber dieses Mal, nicht weil ich mir sicher war das ich Ihn fangen könnte, dieses Mal wusste ich das ich Ihn fangen würde!
 
Positiv denken und den Kopf freihalten, Gruß Christoph Freuen!

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