18.10.15

Zurück im Spiel - Etienne Gebel

Was ist es schön wieder am Wasser zu sein! Die letzten 2 Monate waren enorm anstrengend und impulsiv. Neben einem Vollzeitjob, Familie und abendlichen - häuslichen Umbau-/ bzw. Renovierungsmaßnahmen ist vor allem meine Familie um ein weiteres Mitglied gewachsen. Darauf bin ich stolz und ich danke Gott, dass alles gut verlaufen ist. Die Verantwortung und die Verpflichtungen sind jedoch weiter gestiegen, mein Zeitbudget zum Angeln weiter geschrumpft. Nicht das ich mich beschwere, meine Familie geht über alles. Dennoch braucht ein jeder eine Auszeit und die nehme ich mir nun wieder mit einzelnen Angelnächten. Der Alpina Malerweiss Eimer inklusive Pinsel und Malerrolle wird gegen einen Angeleimer Boilies und ein Easy Stik Wurfrohr getauscht. Endlich Freitag 16.00 Uhr - Feierabend. Der Wagen ist bereits gepackt. Ich brauche nur noch vom Parkplatz meiner Firma losfahren, das rollende Bedchair beladen und den weiten Weg ans Wasser hinunterlaufen. Am Montag und Mittwoch habe ich spärlich mit 1.5 Kilo Boilies gefüttert. Da ich in den letzten Wochen durch meine Abwesenheit am Wasser nichts mitbekommen habe, wollte ich erst mal testen ob überhaupt was passiert. Also lieber spärlich füttern. Da das Gewässer das ich zurzeit befische sowieso sehr nahrungsreich ist, füttere ich wenig aber mit viel Lockwirkung. So habe ich meine Köder über Tage mit Tuna L030 vorbehandelt. Sparsam und mit höchst attraktiven Futter ans Werk – so zumindest die Theorie! Lange habe ich abends noch vor meinem Schirm gesessen und einfach die Geschehnisse der letzten Monate Revue passieren lassen. Die Geburt unseres 2. Sohnes mit längerem Krankenhausaufenthalt, der Job und der Umbau alles zeitgleich. Das war Stress pur, nun kommt scheinbar wieder mehr Ruhe und Struktur ins Leben. Zufriedenheit stellt sich ein!

Die Liege als Trolley, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen

Frisch bespult mit neuer 0,35er Touchdown

Als ich gegen Mitternacht in den Schlafsack schlüpfe schrecke ich durch ein lautes Klatschen auf. Mein Blick gilt meinem Platz vor einem Krautfeld in etwa 50 Meter Entfernung, an dem ich meine zwei Ruten hingeworfen habe. Ich erkenne in der windstillen und hellen Nacht einen großen Kringel mitten auf meinem Futterfeld. Die Karpfen sind da – das Adrenalin schießt in den Körper. Ich werde unruhig – warte jeden Moment auf Aktion. Ja auch nach all den Jahren habe ich glücklicherweise das Feuer nicht verloren. Leider blieb alles still und es hat schließlich noch bis zum frühen Morgen gedauert bis sich mein rechter Delkim meldete. Die Spitze steht krumm, die Rollen fast zu. Ich fliege zur Rute, denn ich fische vor einem großen Krautfeld und will keine Zeit und somit keinen Meter Schnur verlieren. Mein Gegenüber ist ein ungestümer Rüpel. Ein schuppiger Raufbold den ich aber nach etwa 10 Minuten im Kescher habe. Ich freue mich ungemein über den Zwanziger Schuppmann. Eine willkommene Abwechslung zum Stress der letzten Zeit. Zudem scheint meine Taktik aufzugehen. Die Rute habe ich in Windeseile wieder auf den richtigen Abstand geclippt und sanft auf den Platz geworfen. Es ist noch dämmerig. Gerade bei schlechter Sicht funktioniert das einclippen der Schnur prima. So liegt man perfekt am Platz. Denn in meinem Falle darf ich nicht zu weit werfen, dann liege ich mitten im Kraut! Ich füttere nur eine handvoll Boilies nach. Ich will sehen, wie viele Fische unterwegs sind und wie lange es dauert bis hoffentlich noch ein Biss kommt. Ich schlafe nochmals tief ein und werde etwa eine Stunde später erneut durch einen Anbiss geweckt. Ein nicht weniger rüpelhafter Karpfen liefert einen packenden Drill. Von einem Krautfeld ins nächste. Gott sei Dank habe ich starke Wide Gape XX Haken drauf, die ich bereits in der Testphase letztes Jahr drauf hatte. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich den zweiten Raufbold ins Netz bekomme. Mittlerweile ist es nach 9 Uhr und ich habe das Verlangen, nach Hause zu gehen. Ich habe eine erfolgreiche entspannte Angelnacht hinter mir, aber jetzt rufen erst mal wieder andere Pflichten. Ich komme wieder zurück. Mein unermüdlicher Drang zieht mich jetzt zum Herbst jedoch wieder an die großen Baggerseen. Ich hoffe ich finde dort auch zurück ins Spiel...
Grüße,
Etienne Gebel

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