16.01.17

Zurück ins Glück - Nils Elders und Michael Nürenberg

"Urlaubsüberreif" könnte man diesen Zustand bezeichnen. Es wurde wirklich allerhöchste Zeit, dem sich unaufhaltbar drehendem Karussell des Alltags mal wieder für ein paar Tage den Rücken zu kehren. Zeit, die wir frei aller Zwänge und Tücken dieser Leistungsgesellschaft einfach mal wieder das tun würden, wofür wir beide so sehr brannten! Wir mussten raus, raus aus dem Roboter Alltag, rein in die muffigen Wathosen! Im Labor bei Nils stapelte sich seit Wochen die Arbeit und bei Micha in der Schule schien sich ebenfalls keine Lücke für Urlaub auf zu tun. Aus September wurde Oktober. Aus Oktober wurde irgendwann Anfang November, und schließlich Ende November. Irgendwas kam immer dazwischen. Die Pläne für die nordfranzösischen Flachlandseen konnten wir uns bereits gepflegt von der Backe putzen, und so kam es, das unsere gemeinsame Urlaubsplanung diesmal so schwer wurde, wie noch nie zuvor.

Trotzdem hatten wir Ihn nun irgendwann in der Hand, den heiß ersehnten Urlaubszettel, und mit Ihm eine Woche Zeit um unsere Akkus wieder ein wenig auf Vordermann zu bringen. Da im Norden bereits alles angepeilte dicht war, blieb uns der ohnehin noch wärmere Süden Frankreichs!
Viele der großen bekannten Gewässer im Süden würden mit Sicherheit gerade jetzt gut funktionieren, doch irgendwie wollten wir das alles nicht! Den Preis für diesen "Dicken auf Ansage" schien uns durch die dort herrschenden Bedingungen und Regeln zu stark mit unserem Erholungsdrang zu kollidieren. Wir waren beide während der Saison gut an unsere Fische gekommen, und so konnten wir uns ruhigen Gewissens auf den Weg ins gänzlich Unbekannte wagen. Einfach nur angeln und geerdet werden! Den wirklichen Spirit fühlen und jeder einen einzigen Fisch fangen! Das war unser Ziel.

Nach einer 14stündigen Autofahrt ohne Schlaf und völlig am Ende unserer Kräfte kamen wir irgendwo im Nirgendwo am ersten Gewässer an. Ein Traum von einem Stausee. Keine Menschenseele weit und breit. Wir beluden die Boote und setzten in einen traumhaften urigen Wald über, und durften eine noch traumhaftere Kulisse bestaunen. Etappenziel Eins war erreicht! Wir verteilten die Ruten strategisch in allen Gewässerbereichen um schnellstmöglich Fischaktivitäten herauszufiltern. Leider vergingen die ersten drei Tage wie im Flug und blieben trotz ausgiebiger Location fischlos. Dafür kochten wir üppig, tranken Kronenbourg und saßen ohne zu übertreiben auf dem wohl schönsten und ruhigsten Waldplatz an dem wir jemals zuvor gesessen hatten. Nur sehr schweren Herzens konnten wir uns dazu durchringen unseren lieb gewonnen Urwald zu verlassen, denn das zweite Etappenziel des Trips war es nun mal einen Karpfen zu fangen. Nur den Angelplatz zu wechseln schien uns als unnötiger Kraftakt, der Plan B musste greifen. Gewässerwechsel! Zwar ist es im Spätherbst immer eine Tortur das gesamte Gerödel wieder in den Bulli zu packen, doch es gibt einem auch neue Kraft und vor allem neue Hoffnung. Gut das wir uns im Vorfeld verschiedene Gewässer auf Google Maps markiert hatten und Plan B, C, D und sogar E in der Tasche hatten.
Auch das nächste Ziel war eine geografische Augenweide. Am Ende eines abenteuerlichen Waldpfades eröffnete sich uns ein schmaler, länglicher Stausee mit einem durch eine Halbinsel getrenntem Staubecken. Ringsherum mächtige Nadelbäume. Wieder trafen wir weder Angler noch andere Menschen, und so konnten wir den besten Platz gegenüber der Staumauer beziehen. Erneut in der Luxusposition, alleine am Gewässer zu sein, konnten wir uns voll entfalten. Kulinarisch blieben wir weiterhin auf dem höchsten Level. Uns ging es prächtig! In der dunklen Jahreszeit gibt es wohl nicht viel besseres, als ausgiebig zusammen zu kochen und die Zeit an einem stillen Ort ohne jeglichen Handyempfang zu genießen. Das war jetzt genau das was wir gebraucht hatten.

Gut genährt und voller Zufriedenheit, saßen wir tatsächlich mal wieder einmal stundenlang vor unseren Zelten und genossen bei traumhaften Sonnenuntergang einfach nur das herrliche Panorama und diese vollkommene Stille um uns herum. Ein magischer Moment! So musste die letzte Hürde doch auch noch zu schaffen sein! Und wir schafften sie. Kaum war das letzte Licht verschwunden, fingen wir beide unseren ersten Fisch. Wir waren angekommen! verblüffende Natur, eine Wohltat für Leib und Seele. Das volle Programm! In den nächsten zwei Tagen konnten wir noch ein paar weitere wilde Karpfen fangen. Mit zwei Tagen Restzeit entschieden wir uns dafür ein weiteres Gewässer anzusteuern um langsam wieder in Richtung Heimat zu kommen. so mussten wir am Abreisetag nicht mehr die maximale Fahrtstrecke auf uns nehmen. 291 Kilometer in Richtung Nordosten, das Navigationssystem machte eine klare Ansage: 4Stunden und 32Minuten, wir schauten uns an und mussten lachen! Hier gab es halt keine Autobahn in der Nähe. Querfeldein über Stock und Stein durch die krassesten Wälder ging es über hunderte Serpentinen zum nächsten Ziel. Das wir kurz vor dem dunkel werden am nächsten Gewässer ankommen sollten, machte uns wenig aus. Wir hatten bereits jetzt das Gefühl von Erdung erlangt, und ein Gefühl der tiefen Zufriedenheit breitete sich in uns aus! Wir wollten nicht mehr, Natur, jeder einen Fisch und einfach abschalten. Auf der Strecke durchfuhren wir verschiedene kleine Dörfer. Die wenigen Menschen die wir trafen machten nicht den Anschein als ob sie sich vorstellen konnten ,welchem Stress wir uns in unserem Alltag gelegentlich ausgesetzt fühlen.
Die schnelllebige Zeit des digitalen 21.Jahrhunderts schien in diesen urigen Steinhäusern mit den kleinen verwitterten Holzrahmen um die Fenster noch weit entfernt. Auch wenn wir als Reisende nur recht knapp mit den Menschen in Kontakt traten, konnte man irgendwie dennoch spüren , das diese Menschen hier mit sehr viel Stolz leben! Sie haben garantiert andere Sorgen. Ob sie glücklich sind? Wer weiß!
Ohne an dieser Stelle zu philosophisch zu werden, uns hat die Ruhe in den Wäldern tierisch gut getan und uns wurde mal wieder klar, worum es uns nach wie vor in unserem Hobby geht. Abenteuer, Leidenschaft, das Leben zu schätzen und zu genießen. Und so machte es uns absolut gar nichts aus, das wir am dritten und letzten Großgewässer, in den verbleibenden 36 Stunden, nicht den abschließenden Dickfisch fangen konnten.
Dazu bleiben uns hoffentlich noch etliche weitere Abenteuerreisen!

Michael Nürenberg & Nils Elders

Michael mit hübschem Spiegler

Alles liegt, es geht los

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