09.04.19

Zwischen Centercourt und Parksee - Gerald Melzer

Zwischen Centercourt und Parksee 


In diesem Update lest ihr, wie ich versuche, neben Sport (Beruf) mit absolutem Minimalismus und Flexibilität auch auf Reisen erfolgreich auf Karpfen zu angeln. Infolgedessen findet ihr hier keine hochqualitativen, mit High End Kameras aufgenommenen Fang und Produktfotos. Auch über den Gebrauch von teurem Luxustackle ist hier nichts zu finden. Der Fokus galt rein dem Angeln an sich.


Wie fast jede Woche war es mal wieder an der Zeit meine Taschen zu packen. Die kommende Woche stand ein Tennisturnier in Frankreich am Plan. Frankreich?! Ich wäre kein Karpfenangler wenn ich bei ”Frankreich“ nicht ans Angeln denken würde. Nach kurzer Recherche sah ich die Möglichkeit mal wieder im gelobten Land angeln zu können. Der Plan war es, an matchfreien Tagen oder nach dem Training, kurze Sessions in dem wenige Hundert Meter entfernten Parksee zu machen. So durfte neben meiner Reise- und Tennistasche, eine weitere Tasche diesmal keinesfalls fehlen! Meine speziell präparierte Angel-Reisetasche. In dem von mir, in die Tasche extra eingebautem Hartplastikrohr finden bis zu vier meiner dreiteiligen 9 Fuß Ruten Platz. So erspare ich mir die Verwendung etwaiger Rutenrohre oder desgleichen. Trotz der optimierten Tasche steht Minimalismus bei solchen Aktionen an erster Stelle. Nur das absolut Nötigste kommt mit, und dies in der kleinstmöglichen, aber immer noch ausreichend funktionellen Ausführung. Denn selbst bei absolutem Minimalismus darf Fishcare nicht in den Hintergrund geraten. Im Laufe der Zeit konnte ich mir mit Produkten verschiedenster Hersteller die für mich optimale Ausrüstung für solche Vorhaben zusammenstellen. Trotz des Wissens, dass ich immer nur stundenweise Angeln gehen konnte, wollte ich so viel Futter wie nur möglich mitnehmen. Um unter den erlaubten 23 Kilogramm pro Tasche zu bleiben musste auf das ein oder andere T-Shirt mehr verzichtet werden, und auch meinem Trainer steckte ich noch fünf Kilo Boilies in seine Tasche.

Der primäre Plan war es anfangs die Fische zu suchen und mit auffälligen Pop Ups am Chod Rig schnelle Bisse zu erzielen. Nebenbei wollte ich jedoch die ein oder andere Stelle ein bisschen unter Futter halten um mir ein paar Möglichkeiten offen zu halten.

Im Hotel angekommen wurden schnell die Taschen abgestellt und es ging direkt in den Angelshop. Die Fischereilizenzen für meinen Trainer und mich mussten gelöst werden. Im Anschluss machten wir uns direkt auf den Weg zum See für einen Rundgang. Es war Wochenende, das Wetter passte und ich rechnete mit vielen Anglern, doch auf dem gut 20-25 Hektar großen See waren lediglich drei Gruppen anzutreffen. 

Am folgenden Tag starteten wir den ersten Versuch, doch weder am Vormittag, noch während den Abendstunden konnten wir die Fische finden, zumindest nicht beim Fressen. Auch die Kurzsession am nächsten Tag brachte keinen Erfolg. Langsam wurde ich ein wenig unrund. Ich wollte unbedingt einen Fisch aus diesem Parksee.

Tag 3...

Am dritten Tag machten wir uns gegen 18 Uhr auf den Weg zum See. Ich muss zugeben, meine Konzentration beim Vormittagstraining galt nicht ausschließlich mehr dem Tennisball. Während des gut 15 minütigen Fußmarsches vom Hotel zum See zermarterte ich mir schon den Kopf wo sich die Fische aufhalten könnten. Am Vortag konnte ich morgens ein paar Fische direkt am Tretbootverleih ausmachen. Jedoch wollte ich diesen während der Betriebszeiten nicht beangeln. Mittlerweile war kein Betrieb mehr, direkt vor den geparkten Tretbooten kamen einige Blasen hoch. Das Wasser war in dieser Ecke sehr flach und der Untergrund schlammig. Den Schlammwolken zur Folge mussten es Karpfen sein. Mit einem weissen Popi am Naked Chod System warf ich eine Rute direkt vor die geparkten Boote. Rund um meinen Köder brodelte es weiterhin wie verrückt und ich war mir sicher, dass sich jede Sekunde ein Fisch haken würde. Keine fünf Minuten später stand ich mit krummer Rute da und drillte den Fisch unter den Booten hervor. Ein kleiner Schuppi hing perfekt gehakt in der Unterlippe, der Anfang war gemacht. 

Nach diesem Fisch machten sich alle anderen aus dem Staub und so zogen auch wir weiter. Gute 1-2 Stunden blieben uns an diesem Tag noch und es war eine der Inseln die meine Aufmerksamkeit auf sich zog, es roch förmlich nach Fisch. Beim dritten Wurfversuch landete mein weißer Popi genau vor den bis tief ins Wasser ragenden Bäumen und Büschen. Nach ein paar Versuchen lag auch die zweite Rute nah an den Büschen. Wir wollten es uns gerade auf der Parkbank gemütlich machen, da feuerte bereits die erste Rute ab. Ich konnte es nicht fassen. Bremse komplett zu und versuchen den Fisch von den Sträuchern wegzuhalten, hieß die Devise. Der Fisch bewegte sich langsam und schwerfällig. Als er in Sichtnähe war traute ich meinen Augen nicht, doch der anschließende Blick in den Kescher bestätigte es. Ein kugelrunder Spiegler der 15kg Kategorie. Und das nach nicht mal fünf Minuten auf diesem Platz, total verrückt. Wir baten ein stehengebliebenes Pärchen um ein paar Handyfotos, dieses fielen leider sehr bescheiden aus, sollte aber unsere Freude nicht im Geringsten trüben. Für diesen Abend ließen wir es gut sein. Jedoch verteilte ich mit dem Wurfrohr noch 5 Kilo Boilies über die ganze Länge der Insel. Die Fische sollten über Nacht ein wenig Vertrauen in das Areal bekommen.

Am Morgen danach standen wir bereits 10 Minuten vor verschlossen Toren, bis endlich um kurz nach 06.30 Uhr das Parkpersonal die großen Goldtore öffnete. Gemütliches gehen (oder Laufen wie es so schön in Deutschland heißt) bis zum Platz gab es jetzt keines mehr, jede Minute der Morgenstunden wollten wir noch mitnehmen. Kurzes Aufatmen, es war kein anderer Angler zu sehen, welcher möglicherweise von einem der anderen Eingänge schneller hätte hier sein können. Die bereits im Hotelzimmer beköderten Ruten lagen innerhalb kürzester Zeit verteilt vor den Büschen. Unser vorbereitetes Frühstück fiel aus, denn der erste Fisch ließ nicht lange auf sich warten. Und was für einer. Jetzt begann es auch noch zu regnen, und mit dem Regen begannen sich die Fische sogar zu zeigen und rollten vor der Insel. Diese Session entwickelte sich zu einer regelrechten Fangorgie und wir konnten alle Fische am 6er Choddy Haken sicher landen. Einer durchbrach sogar die magische 20 Kilo Marke. 

Oft dauert es eine Weile um an neuen Gewässern zum Erfolg zu kommen. Umso schöner ist es, wenn der Fleiss in Form von schönen Fischen belohnt wird.

Euer Gerald

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