01.05.18

Zwischen Hausbau, Schichtdienst und Kurzsessions - Nils Thönnes

Im letzten halben Jahr gleich mein Leben eigentlich einem Karussell, stressige lange Tage auf der Arbeit, den Feierabend in einer Ruine mit renovieren verbringen und das ganze wieder von vorne. Fürs Angeln blieb theoretisch wenig Zeit, dennoch war ab und an mal eine Nacht unter der Woche drin. Allerdings in den meisten Fällen ohne Erfolg. Man kann sich kaum auf irgendwas richtig konzentrieren, das schlechte Gewissen plagt einen, weil man einen Abend auf der Baustelle aussetzt um zu entspannen. Man ist beim Angeln nicht voll bei der Sache, weil einem zu viele Gedanken durch den Kopf schwirren. Um erfolgreich zu angeln, muss man mit allen Sinnen und Verstand dabei sein. Das ist bestimmt einer der Gründe für meinen Misserfolg, denn eigentlich hab ich an den Gewässern, an denen ich diesen Winter geangelt habe, nichts anders gemacht als sonst. Zum Glück aber ist die Baustelle bald soweit, dass man sich etwas zurücklehnen kann und auch der Kopf freier wird. Wenn auch die ganz heiße Zeit jetzt gerade mehr oder weniger an mir vorbeizieht…

Ganz ohne Erfolg lief es die letzten Wochen aber dann doch nicht, zwischenzeitlich habe ich einen kleinen See, nicht unweit des neuen zu Hauses befischt, welcher für mich einen unbekannten Bestand an Karpfen beherbergt. In den Wintermonaten verbrachte ich dort schon mal eine Nacht, allerdings war es auch eine Session die eher spontan und ohne Planung von statten ging. Dementsprechend war sie auch erfolglos. Nach den ersten warmen Tagen Anfang April stattete ich dem See nochmal ein Besuch ab. Vor dem Angeln hielt ich Ausschau nach Fisch und konnte in einem flachen Areal einige kleine Kois ausmachen, die wohl jemand aus seinem Gartenteich aussortiert hat. Unter einem überhängenden Busch konnte ich dafür ein paar Spiegler sehen, welche um die 10 Kilo wogen. Ich entschied mich für eine Stelle, von der aus ich den Busch in einem guten Winkel befischen konnte. Links und rechts daneben jeweils eine Rute mit einem Chod Rig sollten es richten! Zu meiner Verwunderung klappte es tatsächlich und ich konnte schon am frühen Abend den ersten Fisch seit September fangen. Die Freude über den 12 Kilo schweren Spiegler war also groß. Auf Grund des Trubels an dem Platz war die Nacht wie tot. Vereinzelt hörte man im flachen Bereich des Sees Fische springen. Mein Plan war es am Morgen, falls nichts mehr läuft, dorthin zu moven. Allerdings war das nicht mehr nötig, weil um acht Uhr der nächste Biss kam. Nach kurzem Drill konnte ich erneut einen schönen Spiegler keschern. Zwei Fische in einer Nacht war ich nach dem letzten Jahr nicht mehr gewohnt. Es tat gut, mal wieder einen offenbar besser besetzten See zu befischen, als die Jahre zuvor. Mit der Session tankte ich aber wieder genug Selbstvertrauen, um den ersten Versuch am Fluss zu starten.
Spontan fuhr ich am nächsten Abend zusammen mit einem Freund an den großen Strom. Da wir beide am nächsten Tag arbeiten durften und somit wieder früh einpackten mussten, waren unsere Erwartungen nicht allzu hoch. Aber zu Hause fängt man bekanntlich noch weniger. Die Ruten lagen noch bevor es dunkel war auf ihren Plätzen und zum Ausklang gab es für jeden noch ein Bier, ehe wir im Schlafsack verschwanden. Die Ruhe der Nacht hielt bis genau 04:50 Uhr an! Ich wurde kurz wach und schaute aufs Handy, als ich es weglegte ertönte ein einzelner Pieper gefolgt von einem heftigen Biss mit Dauerton. Der Fisch zog bis zur Strömungskante und nutzte die Strömung als Unterstützung seiner Flossenschläge. Ich hatte ernsthaft Probleme den Fisch zu halten und rechnete mit einem Abriss, zu meiner Verwunderung aber konnte ich dann doch irgendwann Meter für Meter an Schnur gewinnen. Als der Fisch nach etwa einer halben Stunde endlich im Uferbereich war, hatte ich gewonnen und konnte den massiven Schuppi landen! So ein Fisch aus dem Fluss, damit hatte keiner von uns gerechnet. Schnell wurde der Fisch abgehakt, versorgt und fotografiert. Das Gefühl, welches man nach so einem Fang hat, ist unbeschreiblich. In solchen Momentan sind alle Mühen und fischlosen Nächte des Vorjahres vergessen. Irgendwann wendet sich das Blatt, gerade wenn man nicht damit rechnet. Nach solch einem Fang packt sogar mit guter Laune ein, denn das ist wohl der beste Start, den man sich als Angler wünscht!

Typisch Frühjahr - Chods und Fluo Pop Ups

Endlich Fisch!

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